Oikos Institut

Das Verfahren

Der wichtigste Bestandteil einer zukunftsfähigen Energieversorgung liegt in der „3-E-Strategie“: Energie einsparen, Effizienz erhöhen, Erneuerbare Energien einsetzen. Sie verringert nicht nur den Bedarf an zu beschaffender Energie, sondern auch die Abhängigkeit von Importen und den entsprechenden Lieferbedingungen, sie trägt erheblich zum Klimaschutz und damit zur Milderung globaler ökologischer Probleme bei, sie erlaubt es, Wertschöpfung und Beschäftigung in der Region zu halten und kulturelle Werte zu bewahren. Die bei weitem grössten Reserven an Energie liegen im vorhandenen Gebäudebestand. Da es im Bestand jedoch keine Rechtsgrundlagen gibt und man Eigentümer nicht zur Erneuerung ihrer Immobilie zwingen kann, sind diese Reserven schwer zu mobilisieren. Offensichtlich genügt es alleine nicht, Fördermittel zur Verfügung zu stellen und darüber Informationen anzubieten – die Hindernisse dagegen, das Vernünftige auch tatsächlich zu tun, liegen im Bereich des Sozialen, der Motivation, der Überzeugung, der persönlichen Ansprache und Unterstützung. Es bedarf also einer Öffentlichkeitsarbeit, die sich unmittelbar an die fraglichen Zielgruppen richtet.

Aus dieser Einsicht heraus hat das OIKOS Institut das OIKOS Verfahren entwickelt.

Das OIKOS Verfahren ist speziell auf Dörfer mit hohem Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern ausgerichtet. Es strebt an, die Eigentümer vom Nutzen und von der Finanzierbarkeit der Erneuerung zu überzeugen, will aber auch der Dorfgemeinschaft die Vorteile gemeinschaftlicher Lösungen nahe bringen. Das OIKOS Verfahren kann analog auch in Wohnquartieren von Städten eingesetzt werden.

Das OIKOS Verfahren besteht aus einer systematischen Abfolge von 10 Schritten:

  1. Dorfstrukturanalyse (DAS): Hier wird der aktuelle Energiebedarf der Gemeinde grob abgeschätzt und es werden technisch mögliche Einsparpotenziale ermittelt. Ergebnis ist ein erstes Kurzgutachten. In einer öffentlichen Bürgerversammlung wird das Ergebnis vorgestellt. Es wird begründet, warum eine energetische Dorferneuerung sinnvoll ist, welche Effekte sie haben kann, welche Strategien es dafür im Fall dieser Gemeinde gibt und welche Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
  2. Mit Hilfe eines Fragebogens werden alle Hauseigentümer nach ihrem Interesse an einer Beteiligung am Projekt befragt. Die Ergebnisse werden öffentlich gemacht und im Gemeinderat erläutert. In Absprache mit der Energie-Offensive Rheinland-Pfalz, der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, der Sparkasse und der lokalen Handwerker wird eine Informationsveranstaltung durchgeführt, um weitere Hauseigentümer für die energetische Erneuerung ihrer Häuser zu gewinnen.
  3. Strukturanalyse der öffentlichen Gebäude der Gemeinde mit dem Ziel, den heutigen Energieverbrauch qualitativ und quantitativ festzustellen und Einsparpotenziale zu ermitteln. Für 2 Varianten: Individuelle Wärmeversorgung und Gemeinschaftliche Wärmeversorgung über Nahwärmenetz werden Optimierungsrechnungen angestellt.
  4. Strukturanalyse der Wohngebäude (GSA) und eingehende Beratung der Interessierten, um den heutigen Energieverbrauch qualitativ und quantitativ festzustellen und Einsparpotenziale zu ermitteln. Wiederum für 2 Varianten: Individuelle Energieversorgung und Gemeinschaftliche Wärmeversorgung über Nahwärmenetz werden Optimierungsrechnungen durchgeführt. Bei Interesse geben wir Empfehlungen für Eigenarbeit sowie persönliche Beratung bei der Suche nach Fördermöglichkeiten. Die GSA bringt nicht nur die Ausgangsdaten, auf deren Grundlage später eine Erfolgskontrolle durchgeführt werden kann, sondern auch die Informationen, an denen Eigentümer über die zur Energieeinsparung nötigen Investitionen entscheiden. Vor allem aber soll die GSA motivieren, sich eingehend und ernsthaft mit der Möglichkeit der energetischen Erneuerung zu beschäftigen.
  5. Klären der Rechtslage in Bezug auf Windenergie im Kontakt mit den zuständigen öffentlichen Stellen. Technische und wirtschaftliche Machbarkeit des Baus von Windkraftanlagen auf dem Gebiet der Gemeinde.
  6. Eignung der Gebäude für thermische und elektrische Solarenergie. Empfehlungen für die Nutzung von Sonnenkollektoren und ihre Einbindung in die Gebäudetechnik in 2 Varianten: Individuelle Heizung bzw. gemeinschaftliche Wärmeversorgung über Nahwärmenetz. Möglichkeit, die Kollektoren in einer Selbstbaugruppe preisgünstig herzustellen und zu installieren.
  7. Technische und wirtschaftliche Prüfung der Machbarkeit eines Blockheizkraftwerkes mit Wärmeversorgung über Nahwärmenetz. Klären der Dimensionierung, der erforderlichen Anschlussdichte, des Standortes, der Befeuerung, evtl. der Kombination mit einer Biogasanlage. Technische und wirtschaftliche Machbarkeit eines saisonalen Wärmespeichers.
  8. In Zusammenarbeit mit der Energieagentur der Lokalen Agenda 21 Trier: Energiebewusste Schule. Es geht bei diesem Unterrichtsprogramm nicht nur darum, Kinder frühzeitig für ökologische Probleme zu sensibilisieren („Bildung für Nachhaltige Entwicklung“), sondern auch darum, dass sie mit ihren Eltern über das Thema reden.
  9. Prüfen möglicher Synergien/Konkurrenzen zwischen den Massnahmen mit den Beteiligten. Alternative Szenarien bei unterschiedlichen Eigentümer- und Betreibermodellen: Privat, Bürgersolarkraftwerk (z.B. auf Dachflächen öffentlicher Gebäude), Genossenschaft, Contracting.
  10. Der persönliche Kontakt und die individuelle Beratung sind nötig, um die nötige Bereitschaft und das Vertrauen möglichst vieler Eigentümer zu gewinnen. Auch kleinere Veranstaltungen bei Bedarf. Durchgehende Öffentlichkeitsarbeit in lokalen und überlokalen Medien. Organisation und Durchführung öffentlicher Veranstaltungen zu jedem wichtigen Schritt der Projektentwicklung. Evtl. Exkursion zu Dörfern, die Ähnliches schon gemacht haben (Mauenheim/Bodensee, evtl. nach Beckerich/Luxemburg).

 

Das OIKOS Institut arbeitet hier eng mit den Stadtwerken Trier, mit der Lokalen Agenda Trier und mit dem Umweltzentrum der Handwerkskammer Trier zusammen.

 

Wenn eine Gemeinde das OIKOS Institut anfordert, dann wird von ihr, dann aber auch von den Eigentümern, ein bescheidener Eigenbeitrag erwartet. OIKOS unterstützt die Gemeinde dabei, für die Durchführung des gesamten Verfahrens Fördermittel zu beantragen.

 

Das OIKOS Verfahren endet mit dem Abschluss der Machbarkeitsstudie und konkreten Empfehlungen an die Gemeinde und die interessierten Eigentümer. Dabei werden auch Hinweise auf Fördermöglichkeiten für die praktische Umsetzung gegeben. OIKOS legt Wert darauf, dass in der Umsetzung regelmässig lokale/regionale Handwerker einbezogen sind. Bei Bedarf kann OIKOS Auftragsvergabe, Baubegleitung, Abrechnung und Ergebniskontrolle übernehmen. Mit den Stadtwerken steht für grössere Anlagen ein potenter Projektträger und Betreiber (Contracting) zur Verfügung.